Du läufst regelmäßig. Du machst Pilates oder überlegst damit zu beginnen. Und du fragst dich, wann das eine zum anderen am besten passt. Vielleicht mlchtest du beides auch in einer Trainingseinheit kombinieren? Solltest du dann direkt vor dem Lauf Pilates machen? Oder besser im Anschluss danach? Oder doch besser an einem komplett anderen Tag?
Diese Frage höre ich seit Jahren, von meinen laufbegeisterten Teilnehmenden im Pilatesstudio Oberhausen, von Menschen in meinen Zoom-Kursen quer durch Deutschland, Österreich und der Schweiz, und auch ich selbst habe mich früher gefragt, ob die Reihenfolge des Trainings wichtig sein könnte. Als Sportwissenschaftlerin (B.A.) und zertifizierte Pilates-Trainerin mit über 30 Jahren Erfahrung beschäftigt mich diese Frage nicht nur aus persönlichem Interesse – sie ist tatsächlich sportwissenschaftlich spannend.
Und ehrlich gesagt: Die meisten Antworten im Netz sind unbefriedigend. „Es kommt drauf an“ steht da häufig. Das stimmt zwar indirekt, aber reicht mir als Antwort nicht aus. Denn worauf es konkret ankommt, wird selten erklärt.
Dieser Artikel ist für dich, wenn du läufst und kombiniert Pilates als festen Bestandteil deines Trainings etablieren willst. Besonders dann, wenn du weißt, dass dein Körper von der Kombination profitieren kann, du aber nicht weißt, wie du sie richtig aufeinander abstimmst. Ich kann dir vorab sagen: die Reihenfolge von Pilates und Laufen, vor allem bei kombinierten Trainingseinheiten, kann einen Einfluss auf die Trainingseffektivität haben.
Nach dem Lesen dieses Ratgebers weißt du, von welchen drei Faktoren das Timing von Pilates und Laufen abhängt, warum die Reihenfolge physiologisch einen Unterschied macht – und du hast eine klare Entscheidungsmatrix, die du sofort anwenden kannst.
Du läufst bereits und willst Pilates konkret ausprobieren, bevor du tiefer in die Theorie einsteigst? Dann komm einfach zum kostenlosen Probetraining – im Studio Oberhausen oder per Zoom, ganz gleich wo du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnst. Jetzt Probetraining sichern.
Wusstest du, dass jeder zweite aktive Läufer sich mindestens einmal im Jahr verletzt? Nicht weil er zu viel läuft. Sondern weil er immer nur läuft, also ohne Ausgleichstraining.
Laufen ist eine sich immer wieder wiederholende, hochbelastende Bewegung. Jeder Schritt entspricht dem 2,5- bis 3-fachen des eigenen Körpergewichts an Aufprallkraft. Das klingt dramatisch – und ist es für bestimmte Strukturen auch, wenn der Körper nicht ausreichend stabilisiert ist. Typische Folgen, wenn der Körper diese Kräfte nicht bewältigen kann sind das Läuferknie, IT-Band-Syndrom, Schienbeinkantensyndrom, Hüftbeuger-Verkürzungen und auch Schmerzen im unteren Rücken.
Die gute Nachricht: Diese Verletzungen entstehen selten plötzlich. Sie entwickeln sich schleichend aus einem Ungleichgewicht. Bestimmte Muskeln werden zu stark belastet (Hüftbeuger, Quadrizeps, Waden) und andere kaum genutzt (Gesäß, tiefe Bauchmuskulatur, Rückenstrecker). Und statt dich dann immer wieder zum Orthopäden zu setzen, dir Einlagen verschreiben zu lassen oder Spritzen abzuholen, kannst du selbst was tun. Und genau da setzt Pilates an.
Du möchtest vorbeugen oder hast schon Beschwerden beim Laufen oder Joggen? Weißt du, welche Muskeln bei dir konkret zu kurz oder zu schwach sind? Dieses Wissen würde dein Pilates- oder Stabitraining gezielter und effektiver machen. Im Pilatesstudio Oberhausen biete ich dafür eine Muskel- und Bewegungsanalyse an. In 60 Minuten konzentrieren wir uns nur auf dich und finden mit funktionalen Muskeltests und einer visuellen Ganganalyse heraus, was dein Körper als Läufer wirklich braucht und was du gezielt trainieren solltest. Du bekommst ein Protokoll und auf Wunsch direkt einen individuell abgestimmten Pilates-Trainingsplan dazu.
Pilates stärkt die Tiefenmuskulatur – also jene kleinen, stabilisierenden Muskeln, die beim Laufen die Gelenke schützen, das Becken ausrichten und die Wirbelsäule tragen. Eine Studie von Finatto et al. (2018) hat das in einem randomisierten Kontrollversuch mit 32 Freizeitläufern gemessen: 12 Wochen mattenbasiertes Pilates zusätzlich zum Lauftraining verbesserten nicht nur die 5-km-Laufzeit signifikant, sondern reduzierten gleichzeitig den metabolischen Energieverbrauch. Die Läufer wurden effizienter, weil ihr Körper aufgehört hatte, Energie durch unnötige Ausgleichsbewegungen zu verschwenden.
Laws et al. (2017) zeigten in einer weiteren Studie, dass schon sechs Wochen therapeutisches Pilates zweimal pro Woche den sogenannten Functional Movement Screen (ein standardisierter Test für Bewegungsqualität und Verletzungsrisiko) deutlich verbessert. Pilates unterstützt dich also beim Laufen zur Verletzungsprophylaxe und zur Verbesserung deiner Laufleistung. Das ist inzwischen gut belegt. Aber wann und wie du Pilates in dein Lauftraining integrierst, entscheidet darüber, ob du das Beste aus beiden Welten herausholst, oder ob du dich unwissentlich selbst sabotierst.
Der entscheidende Punkt ist also, wie du das Laufen mit dem Pilatestraining kombinierst. Trainierst du beiden kombiniert? Wenn ja, wenn dann in welcher Reihenfolge? Oder besser an getrennten Tagen und mit welcher Intensität? Die Frage „Ob Pilates vor oder nach dem Laufen bzw. Joggen besser ist?“ lässt sich nicht mit einer einzigen Antwort klären. Weil sie von drei verschiedenen Faktoren abhängt. Erst wenn du alle drei kennst, macht die Antwort Sinn.
Wie intensiv ist deine geplante Pilates-Einheit?
Eine vollständige Kraft-Pilates-Einheit (45–60 Minuten, Fokus auf Core, Hüftstabilisatoren, Gesäß, Beinachse) ist physiologisch etwas grundlegend anderes als eine kurze 10-minütige Mobilisationssequenz. Das eine setzt einen echten Kraftreiz. Das andere bereitet den Körper auf anstehende Belastungen vor, ohne ihn zu belasten.
Wie intensiv ist der geplante Lauf?
Ein lockerer 30-minütiger Dauerlauf bei niedrigem Puls ist eine völlig andere Belastung, als ein Intervalltraining oder ein langer Lauf von 90 Minuten. Was vor einem lockeren Lauf funktioniert, kann vor einem HIIT-Lauf kontraproduktiv sein.
Was ist dein übergeordnetes Ziel?
Willst du primär Stabilität und Kraft aufbauen, um Verletzungen zu vermeiden? Willst du deine Laufzeit verbessern? Oder brauchst du gerade Regeneration nach einem harten Laufblock?
Erst wenn du diese drei Fragen für dich beantwortet hast, ergibt die Timing-Entscheidung Sinn. Und jetzt erkläre ich dir, warum das so ist, denn dahinter steckt ein wissenschaftliches Prinzip.
Sportwissenschaftler nennen das Kombinieren von Kraft- und Ausdauertraining „Concurrent Training“ – also gleichzeitiges Training. Und seit den 1980er Jahren beschäftigt ein Phänomen dabei die Forschung: der Interferenzeffekt.
Der amerikanische Physiologe Robert Hickson beschrieb ihn 1980 zum ersten Mal. Sein Befund war überraschend: Wer innerhalb einer Trainingseinheit Kraft und Ausdauer kombiniert, macht in der Kraftentwicklung nach einigen Wochen schlechtere Fortschritte. Die Ausdauerleistung hingegen leidet bei einem kombinierten Training nicht. Die Störung verläuft also in nur eine Richtung: Die Effizienz des Krafttrainings (Pilates) leidet eher, als die Effizienz des Ausdauertrainings (Laufen). Dabei kann das Ausdauertraining auf eine direkt im Anschluss erfolgende Krafteinheit negative Effekte haben.
Ein bischen genauer erklärt (bitte aufklappen)
Warum ist das so? Beide Trainingsformen lösen auf Zellebene unterschiedliche Signalwege aus. Krafttraining aktiviert den sogenannten mTOR-Signalweg. Der ist verantwortlich für Muskelaufbau und neuromuskuläre Anpassungen. Ausdauertraining dagegen aktiviert den AMPK-Signalweg. Der ist auf Energiebereitstellung ausgerichtet. Das Problem: AMPK hemmt mTOR. Wenn also nach dem Ausdauerreiz direkt ein Kraftreiz folgt, wird der Kraftreiz auf Zellebene „blockiert“.
Wilson et al. haben das 2012 in einer Meta-Analyse über 21 Studien bestätigt und verfeinert: Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining führt zu signifikanten Einbußen bei Kraft und Muskelaufbau. Der Grund: Laufen erzeugt durch seinen exzentrischen Belastungsanteil umfangreichen Muskelschaden und damit Erschöpfung (Im übrigen beim Laufen mehr als beim Radfahren).
Für dich als Läuferin oder Läufer bedeutet das: Eine intensive Pilates-Einheit ist physiologisch gesehen Krafttraining. Wenn du sie nach dem Laufen absolvierst, ist deine Muskulatur vorermüdet, der mTOR-Signalweg durch den vorangegangenen AMPK-Reiz gehemmt, und der Pilates-Kraftreiz verpufft weitgehend. Du tust etwas, aber dein Körper zieht nicht annähernd so viel daraus, als wenn du die Kraft-Pilateseinheit vor dem Laufen machen würdest.
Wenn du nach dem Laufen Krafttraining machen möchtest, dann lasse mindestens 6 Stunden Abstand zum Lauf, besser 24h. Das heisst, mache Pilates als Krafteinheit besser direkt vor dem Laufen oder erst am Tag nach dem Lauf. Dieser empfohlene Abstand wurde von Robineau et al. 2016 in einer Studie mit 58 Amateurrugspieler genau untersucht.
Und noch etwas ist wichtig, bevor du jetzt denkst, der Interferenzeffekt macht alles kaputt, weil du vielleicht auch zu denen gehörst, die nach dem Laufen Pilates oder Kraftübungen machen. Denn du darfst zwischen verschiedenen Kraftarten unterscheiden. Maximalkraft und Muskelhypertrophie werden durch kombiniertes Kraft-Ausdauertraining nicht so sehr beeinträchtigt. Der Effekt, dass Pilates als Krafttraining nach dem Lauf nicht gut funktioniert, gilt eher für explosive Kraft, die zum Beispiel für Sprints notwendig ist.
Wenn du genauer verstehen möchtest, wie sich Pilates und klassisches Krafttraining unterscheiden und warum das für dein Training relevant ist, lies gern meinen Artikel Pilates oder Krafttraining – Was ist besser?
Der Interferenzeffekt ist nicht alles, was deine Trainingseffektivität beeinflusst. Die Intensität des geplanten Laufs entscheidet auch, was direkt davor oder danach sinnvoll ist.
Vor einem lockeren Dauerlauf mit eher niedrigem Puls und entspanntem Tempo über 30 bis 60 Minuten kann sehr gut eine vollständige Kraft-Pilates-Einheit stehen. Dein Körper ist danach immer noch in der Lage, eine saubere aerobe Joggingeinheit zu absolvieren. Der Lauf ergänzt den Kraftreiz sogar metabolisch, ohne ihn zu stören.
Vor einem intensiven Lauf-Intervalltraining hingegen, sieht das anders aus. Intervalltraining verlangt maximale neuromuskuläre Rekrutierungsfähigkeit, also die Fähigkeit, dass dein Nervensystem deine Laufmuskeln gut aktivieren kann. Deine Rumpf- und Hüftmuskulatur werden bei jedem Sprint für Stabilisierung in voller Kapazität benötigt. Wenn du diese Muskulatur direkt vorab durch intensive Pilates-Arbeit vorermüdet hast, wirst du das bei den Intervallen merken und dort eventuell nicht die volle Kraft abrufen können. Die Laufhaltung verschlechtert sich, das Verletzungsrisiko steigt, und das Intervalltraining wird vermutlich nicht das, was es sein soll.
Dasselbe gilt nach dem Laufen: Nach einem kurzen Dauerlauf ist eine 20-minütige Pilateseinheit zum Mobilisieren als Cool-Down möglich und sinnvoll. Nach einem langen Lauf über 90 Minuten oder nach einem HIIT-Training sind die Glykogenspeicher dagegen leer, die Muskulatur erschöpft. Intensive Pilates-Arbeit jetzt? Kontraindiziert und macht wie oben erklärt nach dem Lauf eh keinen Sinn.
Die folgende Übersicht zeigt dir, die sinnvollen Kombinationen.
Format A: Kraft-Pilates vor dem Laufen (bitte aufklappen)
Wenn du einen lockeren Lauf planst, kannst du vorab eine intensive Pilates-Einheit machen.
Der Körper ist frisch, die Tiefenmuskulatur wird optimal rekrutiert, der mTOR-Signalweg ist aktiv. Hüftstabilisatoren, Gesäßmuskulatur, tiefe Bauchmuskulatur – sie alle arbeiten auf dem höchsten neuromuskulären Niveau. Und der lockere Lauf danach ergänzt den Kraftreiz, ohne ihn zu stören. Die aerobe Kapazität wird durch vorheriges Krafttraining nicht beeinträchtigt.
Ein praktischer Hinweis: Nimm dir nach der Pilates-Einheit 5 bis 10 Minuten Zeit, um locker einzulaufen. Das ist keine verlorene Zeit, sondern ein Übergang zwischen zwei unterschiedlichen Trainingsreizen, und dein Nervensystem dankt es dir.
Diese Kombination ist besonders wertvoll für dich, wenn du Rücken-, Hüft- oder Kniebeschwerden hast. Das gilt vor dem Lauf selbst, als auch als Vorbereitungstraining, wenn du mit dem Laufen (wieder) beginnen willst. Ich habe selbst erlebt, wie sich das anfühlt: nach meinem Bandscheibenvorfall war jeder Lauf ohne vorherige Pilates-Aktivierung ein Risiko. Ich habe mich über Wochen und Monate mit Pilates auf das Laufen vorbereitet. Das kann vor der Haustür erfolgen, bevor du in den Lauf startest. Du musst dafür keine separate Matteneinheit einplanen.
Format B: Die kurze Pilates-Mobilisationssequenz – vor jedem Lauf (bitte aufklappen)
Das ist das Format, das jeder kennen sollte, der läuft. Und welches leider die wenigsten konsequent machen. 5 bis 10 Minuten reichen aus. Keine intensiven Kraftübungen, die erschöpfen. Stattdessen: Hüftgelenke mobilisieren, Lendenwirbelsäule vorbereiten, Gesäß aktivieren, Tiefenmuskulatur einschalten. Der Körper wird auf das eingestellt, was gleich kommt, nämlich laufen oder joggen, statt kalt in die Belastung zu gehen.
Was in dieser Zeit passiert, ist physiologisch hochinteressant: Die propriozeptiven Rezeptoren, also die Sensoren, die dem Nervensystem sagen, wo welche Körperteile gerade im Raum sind, werden aktiviert. Das Pilates-Prinzip der „Zentrierung“ tut hier genau das, was es soll: es stellt die Wirbelsäule und Gelenke ein, noch bevor der erste Laufschritt gesetzt wird.
Als Pilatesübungen für diese 5 bis 10 Minuten eignen sich die Beckenschaukel, Knielifts, Hip Circles und Fußkreisen mit Zehenstand. Diese Bewegungen eignen sich wunderbar zur gezielten Aktivierung bzw. als dein Laufwarmup.
Ist das nicht klasse, dass 10 Minuten Pilates vor dem Laufen deinen gesamten Lauf strukturell verbessern können? Es keine große Sache, dir das vor dem Start der Laufrunde als gute Pilatesroutine anzugewöhnen.
Format C: Cool-Down-Pilates – das Geschenk nach dem Laufen (bitte aufklappen)
Warme Muskeln dehnen sich besser. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern Physiologie: Erhöhte Muskeltemperatur reduziert die Gewebesteifigkeit und erlaubt eine größere Dehnungstiefe. Der Moment direkt nach dem Laufen ist deshalb tatsächlich ideal für Mobilisationsarbeit.
15 bis 25 Minuten Pilates nach dem Laufen als strukturiertes Cool-Down. Das gleicht die typischen Laufverkürzungen im Hüftbeuger, auf den Beinrückseiten und Rotationseinschränkungen im Oberkörper aus. Es fördert die Durchblutung, beschleunigt den Laktatabbau und aktiviert das parasympathische Nervensystem, um dein inneres Stresslevel wieder zu senken, welches durch den Lauf entstanden ist.
Nach einem langen Lauf oder einem Laufintervalltraining gehört eher keine intensive Kraft-Pilates-Arbeit, sondern Aktivitäten, welche die Regeneration fördern. Ich weiß, dass sich der Körper nach dem Laufen manchmal gut anfühlt. Er ist warm, eingespielt, in Bewegung. Aber das subjektive Gefühl täuscht über die tatsächliche neuromuskuläre Erschöpfung hinweg. Wer jetzt noch 45 Minuten intensives Core-Training draufsattelt, riskiert schlechte Ausführungsqualität und Verletzungen durch ermüdungsbedingte Kompensation.
Format D: Die vollständige Pilates-Einheit an Ruhetagen – die beste Option (bitte aufklappen)
Wenn du die Wahl hast, dann nutze Pilates als Regenerationstraining an lauffreien Tagen. An einem Tag ohne Laufen, mit mind. 24 Stunden Abstand zur letzten Laufeinheit.
So hast du keine Ermüdung und volle neuromuskuläre Kapazität, das heisst dein Körper kann sich voll auf die Pilatesübungen konzentrieren. Alle Reserven sind dann für komplexe Bewegungsmuster, tiefe Körperwahrnehmung oder therapeutische Arbeit an den eigenen Schwachstellen verfügbar. Das ist der Zeitpunkt, an dem langfristige Veränderungen durch einen eigenständigen Trainingsreiz entstehen. Gerade für regelmäßige Läufer ist das die beste Wahl.
Die Pilates-Einheiten müssen nicht lang sein. 30 Minuten mit klarem Fokus sind bereits Gold wert, wenn du keine Zeit für mehr hast. Was zählt, ist Regelmäßigkeit.
Eine Teilnehmerin aus meinem Online-Kurs schrieb mir neulich: „Seit ich aktivierende Pilatesübungen konsequent vor meinen langen Läufen mache, habe ich seit einem halben Jahr weniger Kniebeschwerden mehr. Ich hätte nicht gedacht, dass das so einen Unterschied macht.“ Das ist keine Garantie, dass es auch für dich funktioniert. Doch die Chancen dafür sind gut und dein Aufwand gering.
Wenn du Knie- oder Rückenbeschwerden hast, aber auf das Laufen nicht verzichten willst, ist die kurze Aktivierungssequenz vor dem Laufen wichtig. Dadurch erreichst du eine bessere motorische Kontrolle des Bereiches um deine Lendenwirbelsäule, das Becken und die Hüfte.
Wenn du gerade neu mit dem Laufen anfängst, empfehle ich dir ernsthaft: Baue zuerst vier bis sechs Wochen Pilates-Grundlagen auf. Stabilität zuerst, dann Kilometer. Die Ausdauer baust du nachher schneller auf. Die Vorbereitung deiner Muskeln, Sehen und Bänder auf die neue Belastung dauert etwas länger. Gehe also nicht in das Lauftraining ohne stabilisierende Kraftarbeit, z.B. mit Pilates. Das unterschätzen viele und bekommen schon nach den ersten Laufeinheiten körperliche Beschwerden. Studien belegen, dass bereits sechs Wochen Pilates dafür sorgen, dass Laufen nachhaltig und mit weniger Verletzungsunterbrechungen möglich wird.
Und wenn du schon lange läufst, aber dein Lauftempo nicht mehr besser wird, obwohl du mehr trainierst, könnte fehlende Rumpfstabilität die Ursache sein. Denke auch dann über Pilates als ergänzende Krafteinheit nach. Fehlende Rumpfkraft verschwendet Energie, statt sie für die Laufqualität zu nutzen.
Ich sehe in meiner Praxis immer wieder dieselben Muster. Hier sind einige typischen Fehler, die du vermeiden kannst:
Eine intensive Pilates-Einheit direkt nach einem langen Lauf
Physiologisch ist das verschwendete Energie und ein erhöhtes Verletzungsrisiko obendrauf.
Eine intensive Pilates-Einheit direkt vor einem Intervalltraining.
Die Rumpf- und Hüftmuskulatur gehen vorermüdet in die Belastung. Beim dritten oder vierten Intervall schleicht sich eine ungünstige Laufhaltung ein, das heisst der Körper kann die Belastung nicht richtig bewältigen. Das passiert meist, ohne dass man es bewusst bemerkt.
Pilates streichen, wenn die Zeit knapp ist.
Ausgerechnet dann, wenn das Laufvolumen hoch ist und der Körper Stabilisierungsarbeit am dringendsten braucht, verzichten viele am ehesten auf das Warm Up oder das Cool Down. Gestrichen werden auch Regenerationseinheiten und Stabiarbeit an Ruhetagen, was hervorragend mit Pilates möglich ist. Gehe in dich und hinterfrage dich, ob die Pilateseinheiten für dich nicht doch machbar sind. Vielleicht in einem kombinierten Training über eine „Pilates-Lauf-Kombieinheit“? Und: 10 Minuten Aktivierung vor dem Laufen sind immer möglich. Immer.
Lauf(wieder)anfänger ohne Körperstabilität
Für Laufanfänger, die ohne vorab aufgebaute körperliche Stabilität ins Lauftraining gehen, überfordern ihren Körper schneller. Verletzungen sind dann vorprogrammiert. Mache dir zusätzliches Pilatestraining zur Gewohnheit, als kombinierte Kraft-Ausdauertrainingseinheit mit Pilates vor dem Lauf, als zusätzliche Pilateseinheit an lauffreien Tagen und mindestens als mobilisierende und aktivierende Sequenz vor dem Lauf und Cool Down nach dem Lauf.
Kann ich Pilates und Laufen am selben Tag machen?
Ja, mit dem richtigen Format. Kraft-Pilates vor dem Laufen (wenn ein locker Lauf folgt) oder mindestens sechs Stunden besser 24 Stunden nach einem Lauf. Cool-Down-Pilates immer nach dem Laufen möglich.
Macht es einen Unterschied, ob ich den Reformer oder „nur“ die PIlatesmatte benutze?
Für den Laufkontext funktioniert beides. Der Reformer ist ideal für intensive Maximalkraft-Einheiten. Für die Einheiten an lauffreien Tagen kannst du beides nutzen. Schau grundsätzlich ob eher Mattenpilates oder Reformerpilates was für dich ist.
Bei kombinierten Kraft-Ausdauereinheiten ist das Reformertraining eher unpraktisch. Für die meisten ist es nicht möglich, erst in ein Reformerpilatesstudio zu gehen und von dort die Laufeinheit zu starten. Die freien Übungen ohne Gerät und auch ohne Matte sind dagegen überall umsetzbar. Du kannst sie meist vor der Haustür machen und dann direkt in den Lauf starten.
Wie oft pro Woche sollte ich als Läufer Pilates machen?
Zweimal pro Woche ist das Minimum für messbare Effekte, wurde in Studien nachgewiesen. Die WHO empfiehlt ebenfalls zweimal wöchentlich Krafttraining, und Pilates zählt dazu. Regelmäßigkeit steht dabei vor Häufigkeit. Zweimal pro Woche regelmäßig ist besser als fünfmal unregelmäßig und dann wieder wochenlang gar nicht.
Ist Yoga oder Pilates besser für Läufer?
Ich bin zu 1000 Prozent überzeugt: Pilates. Yoga ist wertvoll für Mobilität und mentale Ruhe. Aber Läufer brauchen vor allem Kraft und Stabilität der Tiefenmuskulatur, und das ist das Kerngeschäft von Pilates. Die Kombination beider kann sinnvoll sein. Wenn du wählen musst, wähle als Läufer Pilates.
Ich habe nur 10 Minuten vor dem Laufen. Reicht das?
Ja. Beckenschaukeln, Knie Lifts, Hip Circles und Zehenstand. Das reicht, um die Muskulatur einzuschalten. Zehn Minuten Aktivierung vorher ist besser als die beste Pilates-Einheit, die du aus Zeitgründen nicht machst. Zusätzliche kraftaufbauende Einheiten sind dennoch wichtig.
Was die Sportwissenschaft zeigt und was ich in der Praxis täglich erlebe, deckt sich hier vollständig: Pilates ist kein Luxus für Läufer. Es ist das Fundament, auf dem schmerzfreies und langfristiges Laufen überhaupt erst möglich wird. Ich bin Bewegungsjunkie – und ich laufe. Aber ich laufe besser, seit ich Pilates nicht mehr als Ergänzung betrachte, sondern als mindestens gleichwertigen Teil des Trainings. Ich persönlich betrachte Pilates sogar als die Basis für jegliche andere Art Sport.
Als Freizeitläufer spielt der Zeitpunkt von Pilates zum Lauf eine nicht ganz so große Rolle, wie bei leistungsorientierten Läufern. Wenn du Laufen und Pilates als Krafttraining in einem Training kombinierst, mache Pilates vor dem Laufen, nicht erst danach, weil die Effekte des Pilatestrainings sonst nicht ausgeschöpft werden können. Um so intensiver dein Lauftraining wird, trenne die Trainingseinheiten und lege Pilates in die Ruhetage zur Regeneration. Und als Lauf(wieder)einsteiger mache erst ein paar Wochen Pilates zur Vorbereitung deines Körpers, bevor du die Läufe beginnst.
Wenn du in deinem Lauftraining eine strukturelle Basis aufbauen willst, komm vorbei. Im Pilatesstudio Oberhausen oder in einem meiner Zoom-Kurse für ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, wo auch immer du bist. Ich lade dich herzlich zu einem kostenlosen Probetraining ein.
Und wenn du weiterlesen möchtest: In meinem Artikel über „Pilates als Ausgleichstraining für Läufer“ findest du konkrete Übungsbeispiele – direkt anwendbar, ohne Vorkenntnisse.
Schreib mir gerne in die Kommentare: Machst du Pilates vor oder nach dem Laufen? Und hat sich das für dich bewährt? Ich freue mich auf deine Erfahrungsberichte.
deine
Pilates-Anna








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